Dserschynsk
Dserschynsk (ukrainisch Дзержинськ; russisch Дзержинск Dserschinsk; seit 2016 auch ukrainisch Торецьк; russisch Торецк, deutsch: Torezk), bis 1938 Schtscherbyniwka (ukrainisch Щербинівка; russisch Щербиновка Schtscherbinowka), ist eine Stadt von regionaler Bedeutung im Osten der Ukraine, die 2013 35.595 Einwohnern zählte und deren Einwohnerzahl von ukrainischen Behörden 2024 mit 5.000 Einwohnern angegeben wurde.[1][2] Die Stadt befindet sich in der im Donezbecken[wp] gelegenen Oblast Donezk[wp] 50 km nördlich von dessen Hauptstadt Donezk.
Kohlewirtschaft
Wie bei den meisten Städten im Donbass spielte der Kohlebergbau in der Wirtschaft der Stadt (mit 50,9 % Anteil an der gesamten industriellen Produktion (1. September 2008)) eine wichtige Rolle.
Viele Bergwerke in der ganzen Region wurden jedoch ab 1990 stillgelegt, wobei die Grubenwasser[wp] weiterhin behandelt werden mussten. Während des Bürgerkrieges im Donbass 2014 konnten diese Unterhaltsarbeiten oft nicht durchgeführt werden. Das Wasser der nicht mehr kontrollierten Gruben belastete nicht nur die noch betriebenen Gruben, sondern hat auch die langfristige Gefährdung der Qualität des Trinkwasserreservoirs und die Verschmutzung des nahegelegenen Flusses Krywyj Torez[wp] zur Folge.[3]
Anfang 2022 waren noch zwei Kohlebergwerke in Betrieb.[4]
Geschichte
Im Jahre 1806 als Schtscherbinowka (vom Russischen: Щербиновка) bzw. Schtscherbyniwka (ukrainisch Щербинівка) gegründet, hieß die Siedlung ab 1938 Dserschynsk und hatte den Status einer Stadt. Der Name Dserschynsk leitet sich vom bolschewikischen[wp] Berufsrevolutionär und Gründer der sowjetischen Geheimpolizei Tscheka[wp] Feliks Dzierżyński[wp] (1877-1926) ab.
Seit den 1990er Jahren verringerte sich die wirtschaftliche Bedeutung der Region aufgrund des Kollaps des Kohlebergbaus. Nach Beginn des Donbass-Kriegs im Jahr 2014 kamen viele Flüchtlinge von der Krim und aus den Kampfgebieten hierher, andere Menschen wanderten jedoch ab. Von ehemals 43.000 Einwohnern im Jahr 2001 sank die Zahl bis Anfang 2022 auf etwa 31.000. Der Krieg hatte den wirtschaftlichen Zerfall beschleunigt.
Aufgrund der Entkommunisierungsgesetze[wp] musste die Stadt umbenannt werden und erhielt am 4. Februar 2016 den Namen Torezk.
Verwaltungsgliederung
Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neu gegründeten Stadtgemeinde Torezk (Торецька міська громада/Torezka miska hromada), wozu auch die Stadt Salisne[wp], die sieben Siedlungen städtischen Typs Kurdjumiwka[wp], Nelipiwka[wp], Nju-Jork[wp], Petriwka[wp], Piwdenne[wp], Piwnitschne[wp] und Schtscherbyniwka[wp], die zwei Dörfer Jurjiwka, Leonidiwka sowie die acht Ansiedlungen Datschne, Druschba, Dylijiwka, Krymske, Osarjaniwka, Schumy, Sucha Balka und Walentyniwka gehören. Die Stadt bildete bis dahin die gleichnamige Stadtratsgemeinde Torezk (Торецька міська рада/Torezka miska rada) im Süden des Rajons Bachmut[wp].
Bevölkerung
Die Bevölkerung der Stadt bestand zu diesem Zeitpunkt aus 60,5 % Ukrainern, 36,4 % Russen, 1 % Weißrussen, 0,8 % Tataren, 0,3 % Roma und zu einem Prozent aus Angehörigen weiterer 63 Volksgruppen.
Die Einwohnerzahl der Stadt und des einschlägigen Umlandraumes sank von 43.371 bzw. 87.024 im Jahre 2001 auf 35.595 bzw. 73.537 im Jahre 2025, womit der Bevölkerungsrückgang in Torezk einen der höchsten in der Ukraine darstellt. Die Geburtenrate beträgt 6,6 pro 1.000 Personen, wohingegen die Sterblichkeitsrate bei 18,8 liegt, woraus sich ein natürlicher Bevölkerungsverlust von 12,2 ergibt. Auch der Wanderungssaldo ist negativ (−8,2 je 1.000).[5]
Einzelnachweise
- ↑ «Білі янголи» під артобстрілом вивезли з Торецька чотирьох людей
- ↑ Demographie ukrainischer Städte auf pop-stat.mashke.org
- ↑ Es wird keine Menschen geben, eine Steppe wird übrig bleiben, Spektrum am 19. Oktober 2019
- ↑ Die Vergessenen der Ostukraine, Republik[wp], 8. Februar 2022
- ↑ Geschichte der Stadt (russisch)
Netzverweise
- Wikipedia führt einen Artikel über Torezk
- Webpräsenz: dzerghinsk.org
- RT DE-Exklusiv: Offensive des Truppenverbands "Zentrum" brachte Dserschinsk unter russische Kontrolle, RT Deutsch auf Odysee am 18. Februar 2025
- Die russische Offensive im Donbass setzt sich fort. Am 7. Februar wurde noch eine Stadt in der Volksrepublik Donezk unter russische Kontrolle gebracht: Dserschinsk.
- Das ist eine der wichtigsten Städte für die ukrainischen Streitkräfte, die in den mehr als zehn Jahren des Konflikts zu einer echten Festung ausgebaut worden war.
- Unser Militärkorrespondent Iwan Poljanskij berichtet vor Ort darüber, wie der Truppenverband "Zentrum" die Stadt eingenommen hat.